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VHS und ProBio
Eintrag vom: 29.10.2008

 Die VHS präsentierte sich am 18. und 19. Oktober auf der ProBio, Ostwestfalens Lifestyle- und Nachhaltigkeits-Messe, mit Wellness- und Kulturreisen, einem breiten Angebot an Gesundheitskursen und vielen interessanten Veranstaltungen aus dem Bereich Natur & Umwelt, Umwelttechniken etc.
Zahlreiche Besucher/innen nahmen an dem Quiz der VHS im Kreis Herford teil, welches Fragen aus verschiedensten Wissensgebieten beinhaltet. Die Gewinnerin beantwortete 18 von 20 Fragen richtig. Sie und die beiden weiteren Gewinner/innen konnten sich bereits über einen Gutschein zum Besuch von VHS-Kursen freuen.
Aktuell starten in den nächsten Wochen zahlreiche VHS-Veranstaltungen zu Themen rund um ProBio:
C59473A Energieausweis für Gebäude
C71505A Naturheilkundliche Haus- und Notfallapotheke
C73073A Yoga und Ayurveda - ein weg zum glücklichen Leben
C71563A Ganzheitliches Augentraining
C59532A Schimmel im Gebäude
C71033A Schlaf und Schlafstörungen
C72053A Wieder gut schlafen - Anregungen für eine geruhsame Nacht
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Keywords:

Neuer Adventskalender des Damen-Lions-Clubs Herford Radewiga ist da
Eintrag vom: 28.10.2008

Gewinnen für den guten Zweck
Von Ruth Matthes (Text und Foto)
Herford (HK). Das historische Volkshochschulgebäude, festlich erleuchtet und umgeben von einem Hauch von Schnee, ziert den neuen Adventskalender des Damen-Lions-Clubs Herford-Radewiga. Der beliebte Benefiz-Kalender ist von diesem Samstag an erhältlich.
Bereits zum 8. Mal sind die Damen zugunsten der Aktion »Lions für Menschen in Not« auf Sponsorensuche gegangen - und fündig geworden. Immerhin 72 Sponsoren beteiligen sich an der wohltätigen Adventsaktion. Wer den Kalender für 6 Euro kauft, kann vom 1. bis 24. Dezember täglich einen von 180 Sachpreisen oder Gutscheinen gewinnen. Alle Kalender sind mit einer Nummer verwesen und gelten quasi als Los. Gewonnen hat immer der Kalenderbesitzer, dessen Losnummer an einem der Kalendertage im HERFORDER KREISBLATT, unter der Hotline 05 21 / 14 02 82 oder im Internet (www.lions-club-herford-radewiga.de) veröffentlicht wird. Die Gewinne können unter Vorlage des Kalenders in den Geschäften abgeholt werden.
Insgesamt haben die Damen Präsente im Gesamtwert von 8000 Euro einwerben können. »Da die Kalender im vorigen Jahr weit vor dem Ausgabeschluss am 1. Dezember vergriffen waren, haben wir diesmal 2500 Stück drucken lassen«, erklärt Pressebeauftragte Gerda-Marie Kleine. Das Fotomotiv stellte Thorsten Gödecker (Pro Herford) zur Verfügung. Der Erlös der vergangenen sieben Jahre belief sich auf fast 85 000 Euro. Sie gingen an Hilfsorganisationen und -projekte wie das Frauenhaus, den Sozialdienst Katholischer Frauen, die Frühförderung Blindgeborener sowie die Sprach- und psychomotorische Förderung von Migrantenkindern.
Gekauft werden können die Kalender unter anderem bei: Bäckerei Hensel, Magazin, Blütenzauber, Buchhandlungen Wolff, Otto, Jackmann, Bahnhofsbuchhandlung, Gehrenberg-Apotheke, Adler-Apotheke, Gartencenter Hülsmann, Die Brille, Juwelier Emmerich, Klingenthal, Jacques Weindepot, Ottensmann, Douglas, Optik Renken, Cadura Optik, Delikatessen Biermann, Das Teehaus, Konditoreien Jach, Kleine, Kettler und Firma Pörtner. Gewinnen können die Käufer zum Beispiel ein Wochenende für zwei Personen in Bad Zwischenahn oder in Wien, Schmuck, Restaurantgutscheine oder NWD-Karten. Verkauft werden die Kalender auch vom 7. bis 9. November bei der Ambiente-Messe »Herbstzeitlos« und am 22. November am Lionsstand vor Klingenthal.
Artikel vom 23.10.2008

 




Keywords: Lions, Adventskalender, VHS-Gebäude

"Der Ein-Bildungsgipfel" Presseschau zum Bildungsgipfel am 22. Oktober 2008 in Dresden
Eintrag vom: 27.10.2008

23.10.2008
(redaktion) Das Ziel war hoch gesteckt: Die Kanzlerin lädt zum Gipfeltreffen, auf dem die nächsten Schritte der Bundes- hin zur Bildungsrepublik vereinbart werden sollen. Bildungsakteure hatten allerdings bereits im Vorfeld vor einem "symbolischen Akt" und "freundlichen Appellen" gewarnt. bildungsklick.de fasst hier Presse-Reaktionen auf den 2-Stunden-Gipfel zusammen.
"Bildungsgipfel endet mit Bund-Länder-Blockade" titelt welt.de und weiter: "Die Sachfragen, an denen sich der unlösbare Dissens festmachte, erscheinen gemessen an den hohen Erwartungen an den Bildungsgipfel kleinlich."
Die Financial Times Deutschland notiert, Merkel habe den Bildungsgipfel auf 2015 vertagt: "Bund und Länder haben die Entscheidung über die Finanzierung ihrer Bildungspläne auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. Frühestens in sieben Jahren sollen zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung investiert werden."
Weiter berichtet FTD von "Viel Kritik am Bildungsgipfel": "Als 'Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet' - so und ähnlich kommentieren Teilnehmer das Gipfeltreffen, mit dem Bundeskanzlerin Merkel den Weg in die "Bildungsrepublik" gehen wollte. Zufrieden zeigt sich nur die CDU."
Von einem fehlgeschlagenen Showgipfel berichtet die Schwäbische Zeitung in ihrem Leitartikel: "Selbst auf der abschließenden Pressekonferenz wurde weitergestritten: Der Bildungsgipfel in Dresden hat vereinbart, die Mittel für Bildung aufzustocken, aber sich nicht geeinigt, wer das zahlen soll. Peinlich."
Enttäuschung auch bei der Frankfurter Rundschau: "Gemessen an den hochgeschraubten Erwartungen, die Angela Merkel selbst kräftig geschürt hat, sind die Dresdner Ergebnisse mehr als mager. Ein umfassender Rettungsplan für die Bildung hätte daraus werden können, stattdessen wirft man Kindergärten, Schulen und Hochschulen kleine Rettungsringe zu. Ob und wie sie sicher ans Ufer kommen, bleibt ihnen überlassen."
Mit Häme spricht die Netzeitung vom "Ein-Bildungsgipfel": "Da die Lösung der Probleme nun erneut vertagt ist, hat sich jetzt aber auch die Bundeskanzlerin einen Teil der Schuld zuzuschreiben. Indem sie Bildung im Alleingang zur Chefsache machte, brachte sie die Länder gegen sich auf, statt sie an die Hand zu nehmen. Insofern hat der Bildungsgipfel eines gebracht: Die Verantwortung für die Misere ist nun breiter verteilt."
Ein leeres Rettungspaket macht die Passauer Neue Presse aus: "Bund und Länder haben beim Gipfel Milliardenausgaben für die Bildung beschlossen. Ob und wie die Pläne umgesetzt werden, ist jedoch fraglich."
"Der Bildungs-Flop" wird von der Rheinischen Post so kommentiert: "Der Bildungsgipfel war ein Flop. Er hat verfestigt, was er eigentlich überwinden sollte: die Eifersüchteleien zwischen Bund und Ländern in der Bildungspolitik. Der Bund hat die Länder an einen Tisch gebeten, was diese in der Bildungspolitik bereits als Einmischung verstehen."
Die Braunschweiger Zeitung ordnet den Gipfel als zumindest lehrreich für die Initiatorin ein: "Schade, ein Erfolg war dieser Gipfel trotz mancher Fortschritte nicht. Bitter für die Bildungspolitik. Und eine Lehre für Merkel: Die Unions-Ministerpräsidenten haben sie mit Bedacht auflaufen lassen. Das gab es so noch nie."
Die Berliner Morgenpost nimmt auch Notiz vom alternativen Gegengipfel, der fast unbeachtet geblieben sei: "Der 'Alternative Bildungsgipfel' wende sich gegen dieses Treffen, weil es 'hinter verschlossenen Türen' stattfinde, kritisiert Mitorganisatorin Johanna Völker vom Studentenrat Leipzig. Daher habe man den Gegengipfel auch in die Innenstadt gelegt, um dort offen mit den Bürgern über Bildung zu diskutieren."

Quelle: bildungsklick.de
 




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Wochenendkurse in Italienisch und Spanisch
Eintrag vom: 26.10.2008

 

Planen Sie schon Ihren nächsten Urlaub im Süden? Und möchten Sie sich schon jetzt sprachlich darauf vorbereiten? Dann besuchen Sie doch bei diesem tristen Herbstwetter einen Wochenendkurs in Italienisch oder Spanisch. In diesen erlernen Sie in kurzer Zeit Grundkenntnisse der jeweiligen Sprache. Infos über Land, Leute und Kultur runden die Veranstaltungen ab.

Die Kurse richten sich an Teilnehmende ohne Vorkenntnisse.

Nähere Informationen finden Sie hier …

Italienisch am Wochenende

Spanisch am Wochenende

 

 

 

 




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Zu Herzog Wittekinds Leichenschmaus
Eintrag vom: 26.10.2008


Foto Jörg Militzer: Eine Herausforderung für Navigationssysteme, denn nur etwas mehr als die Hälfte von Klappmeiers Weg ist geteert und somit als Straße zu bezeichnen. Mehrere hundert Meter des rund 1 Kilometer langen Gesamtverlaufs sind reiner Feldweg.

Geschichtswerkstatt untersucht alte Dünner Straßenbezeichnung
Klappmeiers Weg steht auf dem Schild an der Wiehenstraße zu lesen und weist in Richtung des gleichnamigen Hofes. Dünne Nummer 1 war die frühere Adresse für dieses landwirtschaftliche Anwesen und deutet damit schon auf die lange Tradition des Hauses an der Grenze zwischen Dünne und Dünnerholz hin, waren doch früher die Gebäude nach der Reihenfolge ihres Entstehens durchnummeriert. Geht man von einem kontinuierlichen Festhalten an dieser Tradition aus, dürfte es sich somit um den ältesten Hof im nördlichsten Stadtteil Bündes handeln.
Bereits im 12. Jahrhundert sind auf dem Gebiet des heutigen Dünne vier Höfe in einer Heberolle der Abtei zu Herford erwähnt, die der Äbtissin vom Stift auf dem Berge gegenüber zu jährlichen Abgaben verpflichtet waren. Diese Erwähnung aus dem Jahre 1151, gemeinhin auch als Geburtsurkunde der Gemeinde angesehen, gibt zwar Auskunft über die Höhe der zu leistenden Abgaben, aber nicht über die Lage und ggf. Funktion der einzelnen Gehöfte. So lässt sich auch nur vermuten, dass sich die weltliche Verwaltung der zum geistlichen Besitz gehörigen Ländereien auf einem dieser Höfe befunden hat. Als Meierhof, abgeleitet vom lateinischen „maiores villae“ = bedeutendes Haus, werden noch heute Höfe auf denen ein solcher Verwalter saß bezeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich aus dem Meier als einer Art Berufsbezeichnung jedoch ein simpler Name oder Namensbestandteil entwickelt und somit ist nicht jeder Hof auf dem ein Meier, wenn auch nur als Teil des Namens wie bei Klappmeier, lebt, auch automatisch der Hof eines solchen ehemaligen Verwalters. Eine der ersten urkundlichen Erwähnungen des Namens Klappmeier dürfte auch „erst“ aus dem 17. Jahrhundert stammen. Soweit die historisch belegbaren Fakten.
Doch wirft man einen Blick auf die Sagenwelt des Herzogs Wittekind so wird dem Hof Klappmeier eine weit tiefere Verwurzelung, sprich zeitlich frühere Erwähnung nachgesagt. So soll der die Region prägende Anführer der Sachsen eines Tages ins Grübeln über die Treue seiner Gefolgschaft gekommen sein und hat darauf verbreiten lassen, dass er das Zeitliche gesegnet habe. Widukind wollte mit eigenen Augen sehen, wie treu ergeben die Seinen zu ihm standen. Während sich der Großteil der Gefolgschaft bereits um die Tafel zum vermeintlichen Leichenschmaus versammelt hatte, klapperte der Meier aus Dünne mit seinen Holzpantinen in die nahezu vollständige Versammlung. Fortan so Wittekind, soll der Meier aus Dünne nur noch Klappmeier genannt werden. So hat es der ehemalige Leiter des Bünder Museums Karl Paetow in seiner Niederschrift der Wittekinds Sage festgehalten.
Doch unabhängig von der Herkunft des Namens ist die Bezeichnung Klappmeiers Weg, ähnlich wie z.B. die Benennungen nach alten Flurnamen, ein natürlich „gewachsener“ Name. Keine Ratssitzung bzw. in diesem Fall Gemeindesitzung beauftragte einen Experten sich Gedanken über die Benennung dieses Weges zu machen, kein Beschluss wurde gefasst diese Straße irgendeiner berühmten Persönlichkeit zu widmen, denn schließlich führte der Weg doch schon immer zu Klappmeier und damit war es nun einmal Klappmeiers Weg. Offiziell wurde diese Benennung zwar erst als man sich Mitte der 1960er Jahre in Dünne, wie in allen anderen Gemeinden des damaligen Amtes Ennigloh, dazu entschloss den Straßen und öffentlichen Plätzen Namen zu geben, doch im sogenannten Volksmund war dieser bereits fest verankert.
(Text Jörg Militzer)
 




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Weiterbildung muss ein wichtiges Thema des Bildungsgipfels werden - Deutschland braucht einen nationalen Weiterbildungspakt
Eintrag vom: 22.10.2008

Chancen des Bildungsgipfels nutzen

Der Deutsche Volkshochschul-Verband e.V. (DVV) begrüßt ausdrücklich, dass am 22.10.2008 in Dresden die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder zu einem „Bildungsgipfel“ zusammenkommen, um unter der Überschrift „Qualifizierungsinitiative für Deutschland – Aufstieg durch Bildung“ ein gemeinsames Maßnahmenpaket zu vereinbaren, das Impulse für ein verbessertes Bildungssystem setzen soll.

Der DVV sieht in dem Treffen ein positives Signal, dass Bund und Länder ihre gesamtstaatliche Verantwortung für den Bildungsbereich künftig im Rahmen der Föderalismusreform I koordinieren wollen. Hierfür ist allerdings auch die Unterstützung der Kommunen notwendig, die sich in vielfältiger Weise im Bildungsbereich engagieren und deshalb über ihre Spitzen-verbände am Bildungsgipfel beteiligt werden sollten.

Der Bildungsgipfel bietet die große Chance, dass die Beteiligten zukunftsweisende finan-zielle, programmatische und ordnungspolitische Zeichen setzen, um Deutschland in den kommenden Jahren zu einer „Bildungsrepublik“ weiter zu entwickeln.

Dabei muss dem kontinuierlichen Lernen über den gesamten Lebenslauf eine Schlüsselrolle zukommen. Die voranschreitende Globalisierung und der rasante technische Wandel sind von den Bürgerinnen und Bürgern nur dann zu bewältigen, wenn ihnen die Teilhabe am
beruflichen und gesellschaftlichen Leben immer wieder aufs Neue eröffnet und dabei auch die Chancen, die in einer neu gedachten Eltern- und Familienbildung liegen, wahr-genommen werden. Genau hierfür steht die Weiterbildung mit ihren kurzfristigen und langfristigen Programmen und Angeboten. Die herausragende Bedeutung der Weiterbildung für die individuelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands ist wissenschaft-lich längst unumstritten.


Leistungen der Volkshochschulen

Die deutschen Volkshochschulen haben mit ihren Angeboten einen hohen Anteil an der
Zukunftssicherung Deutschlands durch Bildung, wie die Jahresbilanz 2007 ausweist:

  •  Knapp 9 Millionen Bürgerinnen und Bürger nutzen im Jahr das öffentlich ver-antwortete Weiterbildungsangebot der Volkshochschulen.
  •  967 Volkshochschulen mit ihren 3.500 Zweigstellen bieten der gesamten Bevölkerung, insbesondere auch bildungsfernen und –benachteiligten Gruppen, einenoffenen, bezahlbaren und wohnortnahen Zugang zum Lebenslangen Lernen.
  •  Mit den 562.000 Kursen der Volkshochschulen können die Menschen das Lernen im Lebenslauf auf allen Themenfeldern verwirklichen: In der beruflichen Bildung, den Sprachen, der Persönlichkeitsorientierung und der Gesundheitsbildung, der politischen und kulturellen Bildung und der Grundbildung.
  • Volkshochschulen sind Orte der Integration und interkulturelle Begegnungsstätten der Kommunen: So haben dort allein rund 200.000 Zugewanderte seit 2005 an einem Integrationskurs teilgenommen. Seit Herbst 2008 sind Volkshochschulen im Auftrag von Bund und Ländern auch mit der Durchführung der Einbürgerungs-tests beauftragt.
  •  Die internationale Ausrichtung deutscher Volkshochschulen kommt in den Pro-grammen und Angeboten des dem Verband zugehörigen Instituts für Inter-nationale Zusammenarbeit zum Ausdruck: Über 100 Personen wirken weltweit an 60 Standorten in Projekten der internationalen Entwicklungs- und Bildungs-zusammenarbeit.


Dringliche Aufgaben

Bisher hat die Bundesregierung ihre Ankündigung nicht hinreichend umgesetzt, die Weiter-bildung zur vierten Säule des Bildungssystems auszubauen. Um dem Ziel näher zu kommen, die Weiterbildung als gleichwertigen und gleichrangigen Bestandteil des Bildungswesens anzuerkennen, sind folgende Aufgaben besonders dringlich:

1. „Zweite Chance“ durch Weiterbildung
In Deutschland sind die Berufs- und Lebensperspektiven besonders stark durch die soziale Herkunft determiniert. Jedem Erwachsenen muss – unabhängig von seinem Einkommen – das Nachholen von Alphabetisierungsmaßnahmen, von Schul-, Hoch-schul- und Berufsbildungsabschlüssen verbindlich ermöglicht werden.

2. Mehr Bildungsförderung ab 30
Trotz neuer bzw. erweiterter Finanzierungsinstrumente für die Weiterbildung
(Bildungsprämie, Bildungsdarlehen, Weiterentwicklung des sog. Meister-Bafög) er-halten Menschen jenseits des 30. Lebensjahres noch zu wenig staatliche Fördermittel und Anreize, um ihr Wissen und ihre Qualifikationen weiter entwickeln bzw. erhalten zu können. Dies gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund der demografischen Herausforderungen. Deutschland braucht ein transparentes, zielgenaues und konsistentes Finanzierungssystem der Weiterbildung, das insbesondere die Bedürf-nisse und Möglichkeiten von bildungsfernen Schichten, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der zweiten Berufshälfte berücksichtigt.

3. Lernen vor Ort
Der Erfolg von Bildung entscheidet sich auch in den Kommunen. Die vielfältigen Angebote der Träger müssen besser auf einander abgestimmt und die Übergänge durchlässiger gestaltet werden. Insofern kommt der Qualität eines kommunalen Bildungsmanagements, das die gesamte Bildungsbiografie der Bürgerinnen und Bürger zur Grundlage pädagogischen Handelns macht, eine herausragende Be-deutung zu. Als erfahrene Organisatoren und Koordinatoren regionaler Bildungsland-schaften werden sich die Volkshochschulen in die Initiative „Lernen vor Ort“ in besonderer Weise einbringen.

4. Zugang für Alle
Lebenslanges Lernen für Alle lässt sich allerdings nur dann realisieren, wenn Bund, Länder und Kommunen eine flächendeckende und bezahlbare Grundversorgung mit Angeboten allgemeiner, politischer, kultureller und beruflicher Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung gewährleisten, die allen Menschen offen steht. Die Bereit-schaft zur Weiterbildung darf in keiner Bevölkerungsgruppe an finanziellen Barrieren scheitern. Mit den Volkshochschulen verfügt Deutschland über eine Infrastruktur für das Lebenslange Lernen, die sich im In- und Ausland höchster Wertschätzung erfreut. Die in den vergangenen Jahren erfolgten Kürzungen der institutionellen Zu-wendungen für Volkshochschulen müssen neu justiert werden.

5. 6% des Bildungsbudgets für die Erwachsenbildung
Im Rahmen ihrer Politik zur Förderung des Lebenslangen Lernens (vom dem Memo-randum zum lebenslangen Lernen, 2000, bis zum Action Plan, 2007) weist die EU der Erwachsenenbildung einen eigenständigen und hohen Stellenwert zu. Die
finanzielle Ausstattung der Weiterbildung in Deutschland muss sich künftig an euro-päischen Entwicklungen und internationalen Benchmarks orientieren. Zielgröße sollte dabei sein, dass 6% der gesamten staatlichen Bildungsausgaben der Erwachsenbil-dung, einschließlich der Alphabetisierung und Grundbildung, zugute kommen (GCE-Standard, Global Campaign for Education). Mit dieser Finanzausstattung ließe sich vermutlich auch das Ziel der Weltalphabetisierungsdekade der Vereinten Nationen, die Zahl der (funktionalen) Analphabeten bis zum Jahr 2015 zu halbieren, erreichen.

6. Aufwertung der allgemeinen Weiterbildung
Die staatliche Förderung der Weiterbildung (vgl. Bildungsprämie) konzentriert sich seit Jahren auf Maßnahmen, die auf eine berufliche Verwertung abzielen. Dabei wird vollkommen außer Acht gelassen, dass die allgemeine, politische und kulturelle
Weiterbildung für die Entwicklung eines jeden Menschen sowie für den Zusammen-halt unserer Gesellschaft von ebenso großer Bedeutung ist. Deshalb müssen diese entsprechend ihrer Funktionen gefördert werden.

7. Schaffung von verlässlichen Rahmenbedingungen für Weiterbildung
Im Interesse der Qualität und Inanspruchnahme von Weiterbildung ist es erforderlich, dass sich Bund, Länder und Gemeinden – in Analogie zu den Bildungsstandards im Schulbereich - auf bundesweit einheitliche und verbindliche Rahmenbedingungen verständigen. Regelungsbereiche sind dabei u.a. Zugangssicherheit, Qualitäts-
sicherung und –entwicklung, Zertifizierung (auch von informell erworbenen
Kompetenzen) sowie Lernzeitansprüche. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Weiterentwicklung der Bildungsberatung als struktureller Voraussetzung für
erfolgreiches Lernen im Lebenslauf zu. Die Volkshochschulen werden hierfür ihre Er-fahrungen und Ressourcen (siehe Bildungsprämie) zur Verfügung stellen.


Nationaler Weiterbildungspakt

Angesichts der skizzierten Probleme, insbesondere auch des sich immer deutlicher
abzeichnenden Fachkräftemangels, besteht im Weiterbildungsbereich dringender Hand-lungsbedarf. Damit die Weiterbildung kurzfristig in die Lage versetzt wird, ihre großen
Potentiale für die Zukunft des Landes zu entfalten, bedarf es in erster Linie eines breiten gesellschaftlichen und politischen Konsenses, sowie eines darauf aufbauenden Investitions- und Strukturprogramms. Es wäre ein wegweisender Erfolg des Bildungsgipfels, wenn dort die Grundlinien eines nationalen Weiterbildungspaktes zwischen Bund, Ländern und Ge-meinden unter Einbeziehung von Wirtschaft, Kirchen und Weiterbildungsträgern beschlossen würde, der die angesprochenen Probleme der Weiterbildung einem baldigen Reformprozess überträgt. Der Schlussbericht der Expertenkommission Finanzierung Lebenslanges Lernen und die jüngsten Empfehlungen des von Bundesbildungsministerin Schavan berufenen Inno-vationskreises Weiterbildung liefern der Politik weitere geeignete Handreichungen für die notwendige Aufwertung der Weiterbildung.

Bonn, im Oktober 2008
 




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Angstfreies Lernen ist möglich! 34 Jahre Erfahrungen aus der Laborschule Bielefeld
Eintrag vom: 22.10.2008

Neugierde, Freiheit und Verantwortung statt Leistungsdruck: Die Laborschule in Bielefeld erprobt seit Jahrzehnten, was guter Unterricht ist. Sie ist eines der wichtigsten Modelle für die Bildungsreformen in Deutschland – und eine Gesellschaft im Kleinen. Der Artikel „Das Lernen lernen Von Martin Spiewak | © DIE ZEIT, 29.05.2008 Nr. 23“ beschreibt sehr gut, um was es im Vortrag von Prof. Dr. Susanne Thurn in ihrem VHS-Vortrag am Dienstagabend in Herford ging. http://www.zeit.de/2008/23/OdE32-Bildung

Susanne Thurn: Lernen, Leistung, Zeugnisse - eine Schule (fast) ohne Noten
«Ich vergleiche nie ein Kind mit einem anderen, sondern immer nur mit ihm selber» heißt der hohe Anspruch, den Pestalozzi bereits 1790 an sich stellt - und an diejenigen, die sich aufgemacht haben, eine Schule (fast) ohne Noten zu erproben. In der Laborschule wachsen Kinder und Jugendliche ohne Noten auf - wie sieht das aus? Was wird ihnen damit angetan? fragen die Kritiker, die überzeugt davon sind: «Ohne Noten geht es nicht!» Geht es denn mit Noten? Bereiten sie besser auf eine Zukunft vor, die neue und andere Fähigkeiten von denjenigen erwartet, die sie zu gestalten haben werden? Es geht auch ohne Noten: die Erfahrungen und Einsichten der Laborschule können vielleicht reformwilligen Pädagoginnen und Pädagogen Anregungen geben und Mut machen.
Aufwachsen ohne Noten
Sophia wurde in die Laborschule aufgenommen, als sie fünf Jahre alt war. Nach ihrem ersten Schuljahr erhält sie von ihrer Lehrerin einen ausführlichen Brief, der ihr und ihren Eltern spiegelt, was sie in diesem ersten Jahr zusammen mit und in ihrer Gruppe erlebt hat, welche gemeinsamen Unternehmungen es gab, welche Höhepunkte wie Ausflüge und Feste, welche besonderen Unterrichtsvorhaben und welche alltäglichen Rituale das Jahr bestimmten. Dieser erste Brief an sie beschreibt vor allem, wie Sophia mit den neuen sozialen Herausforderungen fertig geworden ist, wie sie sich in die Schule und die Gruppe eingefunden hat, wie ihr der Übergang von der Familie und vielleicht dem Kindergarten in die jahrgangsübergreifende Gruppe der Eingangsstufe gelungen ist. In den kommenden beiden Jahren der Eingangsstufe erweitert sich der Brief ihrer Lehrerin an sie in dem Maße, in dem auch die Herausforderungen an sie wachsen. Hat Sophia gelernt, auf andere Rücksicht zu nehmen, ohne sich zu verstellen? Kann sie anderen helfen, ohne dabei Überlegenheit auszuspielen? Kann sie sich helfen lassen, vielleicht sogar von einem jüngeren Kind, das etwas kann, was sie noch lernen möchte? Wird sie damit fertig, dass andere so ganz anders sind als sie: anders aussehen, anders spielen, toben, sprechen, nachdenken, schreiben? Ist sie in der Lage, mit anderen Kindern zusammenzuarbeiten, Erfolge gemeinsam zu genießen, Misserfolge gemeinsam zu ertragen? Die Lernangebote, Arbeitsvorhaben, Projektthemen spielen eine zunehmende Rolle: Wie liest, rechnet, schreibt, zeichnet, misst, beobachtet und notiert Sophia, wie versorgt sie die Tiere, wie räumt sie auf, ordnet sie ihre Materialien – und wie weiß sie mit ihrem Körper umzugehen? Nicht nur die Wahrnehmungen ihrer Lehrerin spielen in diesen Berichten eine Rolle, auch die Erzieherin, bei der Sophia den Nachmittag verbringt, kommt zu Wort. Bei allem aber, was der Brief anspricht, ist sie selber der Maßstab, an dem ihr das vergangene Jahr in der Schule gespiegelt wird - sie selber und ihr Vermögen, nicht eine vorgestellte Norm. Nach drei Jahren verlässt Sophia die altersgemischte Gruppe der Eingangsstufe und geht in ihr 3. Schuljahr über, kommt damit in die Gruppe, mit der sie nun bis zum Ende ihrer Schulzeit ohne jegliche äußere Leistungsdifferenzierung zusammenbleiben wird. Der Kreis der Erwachsenen, mit denen sie umgeht, erweitert sich. Fachunterricht – beispielsweise Englisch im Frühbeginn, Holzarbeiten in der Werkstatt oder Sport - kommt zu dem Unterricht bei ihrer Betreuungslehrerin hinzu, mit der sie den überwiegenden Teil ihres Schultages verbringt. Als besonders wichtig für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit, ihrer Lernprozesse und ihres Wohlbefindens schätzen ihre Lehrerinnen und Lehrer das Zusammenwachsen ihrer neuen Stammgruppe ein, die sich aus Kindern unterschiedlicher Gruppen der Eingangsstufe zusammensetzt. Die Briefe, die sie darüber an alle Kinder der Gruppe gleichlautend schreiben, «wollen verstärken, was stärkenswert ist, sie wollen bekräftigen, was kräftiger werden soll, sie wollen abwenden, was Zusammenhalt und Arbeitsfähigkeit der Gruppe behindert» (Bambach 1996, S. 8 - dort sind zwei dieser Briefe an die Gruppe Violett abgedruckt). Erst dann richtet sich der Brief an Sophia und zeichnet ihre individuelle Entwicklung auf. Wenn er besonders gut gelingt, ist er ein «Kinderportrait», ein Versuch, «dem Kind ein Bild von sich selbst zu zeichnen, worin es sich wiedererkennt» (Bambach 1994, S. 13 - in diesem Buch finden sich eingebettet in beschreibende Geschichten Kinderportraits von sechs Kindern einer Gruppe in ihrer Entwicklung über zwei Jahre hinweg). Da Sophia auf ihrem Weg aber nicht nur von ihrer Betreuungslehrerin begleitet wird, sondern auch von weiteren Erwachsenen, werden deren Berichte eingearbeitet oder angehängt. Wie in der Eingangsstufe gehen die Berichte auch jetzt besonders auf Sophias soziale Kompetenzen ein, ihr Arbeitsverhalten spielt jedoch eine zunehmend größer werdende Rolle: Dazu gehört ihr Umgang mit ihren Leistungsmöglichkeiten und natürlich auch, wie sie mit gemeinsamen Vereinbarungen im Alltag umgeht. Während ihres 3.und ihres 4. Schuljahres bekommt sie nur am Ende des Schuljahres «Berichte zum Lernvorgang», zum Halbjahr werden sie durch ausführliche Gespräche mit ihren Eltern ersetzt. Ab dem 5. Schuljahr bekommt Sophia jedes halbe Jahr eine Sammlung von Berichten. Alle ihre Lehrerinnen und Lehrer schreiben für jeden Erfahrungsbereich und jeden Kurs zuerst eine Zusammenfassung dessen, was im vergangenen Halbjahr an Themen und Inhalten bearbeitet wurde und was an Fähigkeiten, Methoden und neuen Fertigkeiten gelernt werden konnte. Diese Beschreibung des Unterrichts lautet wieder für alle Lernenden der Gruppe gleich; ihr eigenes Lernverhalten wird Sophia dann auf drei Ebenen zurückgemeldet - in Hinblick auf ihr individuelles Lernvermögen, ihre Gruppe und die Sache (v. d. Groeben 1993b). Wie ist Sophia mit den Herausforderungen umgegangen, wie hat sie die Lernprozesse in der Gruppe erlebt und mitgestaltet, wie angemessen hat sie die Sache für sich bearbeitet und bewältigt, welche sozialen und fachlichen Kompetenzen hat sie erworben oder auch: Auf den Erwerb welcher sozialen und fachlichen Kompetenzen hat sie ohne Not verzichtet und wie kann sie sich dabei helfen oder helfen lassen, sie doch noch zu erwerben? Wieder ist sie selber der Maßstab, an dem sie gemessen wird - und nicht ein imaginierter Durchschnittsschüler ihres Alters. Sophias Mitschüler, der mühelos ein Einsergymnasiast sein könnte, kann z. B. kritische Berichte erhalten, die ihm spiegeln: Du kannst so viel mehr, als du zu leisten bereit warst! Und ein anderer Mitschüler Sophias, der sich stets bis zur Grenze seines Könnens anstrengt und dabei beachtliche Erfolge erzielt, die ihm jedoch keinesfalls mehr als ein Gnaden-Ausreichend garantieren würden, erhält Berichte, die ihm den großen Lernfortschritt aufzeigen und die ihm sagen: Deine Anstrengungen haben sich gelohnt, mach weiter so, du bist auf dem richtigen Weg, gemeinsam werden wir es schaffen! (Ein Beispiel, bestehend aus einer «Beschreibung des Unterrichts» und einem vollständigen Lernentwicklungsbericht, ist bei Thurn 1996 abgedruckt; weitere Beispiele finden sich bei von Hentig 1983, v. d. Groeben 1993b und v. d. Groeben/Lenzen 1997.)
Je älter Sophia wird, umso intensiver setzen sich die Berichte mit ihrem Arbeitsverhalten auseinander - offenbar sehen ihre Lehrerinnen und Lehrer die damit verbundenen Kompetenzen wie Anstrengungsbereitschaft, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Selbständigkeit, Sorgfalt, Pflichtbewußtsein, Mitarbeit, Interesse, Aufmerksamkeit und Sachangemessenheit als wichtige Voraussetzung für den Erwerb spezieller fachlicher Kompetenzen an. Durchgängig spielt das Sozialverhalten, definiert als Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Einfühlungsvermögen, Kompromißbereitschaft, Toleranz, Konfliktverhalten, Kooperations- und Interaktionsfähigkeit, Integrationsfähigkeit, Verantwortungsbewußtsein, Disziplin und Selbstbewußtsein in den Berichten weiterhin eine große, aber im Vergleich zu den ersten Schuljahren eine geringere Rolle.Daneben beschreiben die Berichte spezielle fachliche Kompetenzen und gehen auf den Umgang mit institutionellen Normen ein. (Die genannten vier Dimensionen der Analyse hat Lübke [1996] ihrer umfangreichen empirischen Studie zu den Berichten zum Lernvorgang an der Laborschule zugrunde gelegt.) Auch in den Stufen III und IV erhält Sophia zu den Einzelberichten einen Bericht ihrer Betreuungslehrerin, in dem die Gespräche aller Lehrerinnen und Lehrer zur Gruppe und zu Sophia zusammengefaßt werden. Erst in ihrem 9. Schuljahr an der Laborschule erhält sie dann ein Notenzeugnis (vgl. Heuser 1991; Lütgert 1992a). Zu diesem Zeitpunkt muss sich auch die Laborschule in das Berechtigungssystem dieser Gesellschaft eingliedern. Ist dies nun der reichlich verspätete Abschied von der Insel der Glückseligen - und damit für Sophia ein Schock? Wenn alles gut gelaufen ist, nicht. Dann weiß Sophia bei einem «ausreichend» auch dann, wenn ihre Berichte vor allem lobend, ermutigend und fördernd abgefasst waren, dass ihr Lernweg mühsam und schwer war und dass Freundinnen weitaus leichter mit den Anforderungen der Schule fertig wurden als sie. Aber über wichtige Entwicklungsjahre hinweg wurde sie als Person gestärkt, wurden ihre Fortschritte wahrgenommen, war das, was sie konnte, wichtig - war sie wichtig. Und so ist ihr Selbstbewusstsein zu diesem Zeitpunkt, an dem sie die schwierigste Phase ihrer Pubertät hinter sich hat, ausreichend gestärkt, sich dem Vergleich - und dem relativen Misserfolg - zu stellen. Nun ist sie eben in manchen schulischen Bereichen nicht erfolgreich, aber deshalb musste sie sich nicht zugleich über Jahre hinweg als Person minderwertig fühlen. Nach der empirischen Studie von Karin Kleinespel können Laborschülerinnen und Laborschüler - in deutlichem Unterschied zu Jugendlichen aus Vergleichsgruppen - ihren Selbstwert unabhängiger von ihren Schulleistungen bestimmen und sind damit für ihr Leben gestärkt (1990, S. 100). Zu ihrem ersten Zeugnis erhält Sophia weiterhin ihre Berichte zum Lernvorgang, die die Noten interpretieren können. Am Ende des 10. Schuljahres bekommt sie, zusammen mit dem Abschlusszeugnis, einen Bericht ihrer Betreuungslehrerin oder ihres Betreuungslehrers, der Sophias Entwicklung und ihren Lernweg in der Laborschule zusammenfasst. Er kann beinhalten, welche besonderen Begabungen, Fähigkeiten, Interessen und Neigungen Sophia auf den unterschiedlichen Gebieten hat und wie sie diese weiterentwickelte, beispielsweise durch die von ihr gewählten Kurse, die zusammengenommen ihr eigenes Lernprofil ausmachen. Er kann enthalten, welche besonderen Leistungen, Tätigkeiten und Produkte sie vorzuweisen hat - von ihren Semesterarbeiten bis hin zu Auftritten in Theaterstücken, von ihren Austauschfahrten in andere europäische Länder bis hin zur Leitung eigener Lerngruppen als Tutorin, von der Übernahme politischer Verantwortung in Mitbestimmungsgremien bis hin zur Organisation von Projekten und Festen. Er zeigt auf, welche Berechtigungen sie erworben hat - vom Latinum über den Mofaführerschein, vom goldenen Schwimmabzeichen bis hin zu einem Maschinenschein der Werkstatt. Wenn sie mag, kann sie ihren Bericht ihren Bewerbungen als Ergänzung zum Abschlusszeugnis beifügen, obwohl er dafür nicht geschrieben wurde. Sicherlich zeichnet er ein sehr viel umfassenderes Bild von ihr als das Notenzeugnis. Aber bis Sophia ihre Schule verlässt - und oft noch darüber hinaus werden ihre Eltern, ihre Lehrerinnen und Lehrer und natürlich sie selber immer wieder mit kritischen Nachfragen konfrontiert worden sein.
«Ohne Noten geht es nicht!»
Die Kritiker (u.a. Schröter 1981, Steinthal 1983, Giesecke 1996) halten die Art und Weise, wie Sophia in der Schule aufwächst, für bedenklich, ja grundsätzlich falsch, und sie begründen ihre Einwände etwa so: Seit es Schule gibt, wird in ihr gelernt, werden die Ergebnisse des Lernens kontrolliert und an die Lernenden zurückgemeldet - möglichst ohne Ansehen der Person, der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts und so gerecht wie möglich. Praktikablerweise geschieht dies in numerischer Form, in «Noten» also. Sind die Ausgangsbedingungen für alle Lernenden gleich, so sind es auch ihre Chancen für gute Leistungen und entsprechende Erfolgserlebnisse. Da es Menschen nun einmal eigen ist, sich miteinander zu vergleichen, ist der daraus entstehende Wettbewerb Ansporn für weitere, bessere Leistungen und erzeugt erhöhte Bereitschaft, diese zu erreichen. Darauf ist eine Gesellschaft angewiesen, die aus der Konkurrenz vieler miteinander den größtmöglichen Nutzen für alle ziehen will. Die gesellschaftliche Funktion von Schule ist dabei, die Chancen für dauerhaften Erfolg gerecht zu verteilen, allen ihr anvertrauten Schülerinnen und Schülern gleichermaßen die Möglichkeiten zu geben, den ihnen höchstmöglichen Ausbildungsabschluss zu erreichen. Neben den mitgebrachten individuellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen spielt die Bereitschaft, sich den vorgefundenen Bedingungen gemäß einzugliedern, anzupassen und sich anzustrengen, eine große Rolle. Beides gilt es zu erkennen, zu fördern und der Gesellschaft nutzbar zu machen, denn diese Gesellschaft ist auf die Ausschöpfung ihrer «Humanressourcen» dringend angewiesen. Die Eltern sind für die Vorbereitung, Begleitung und Überwachung der zu erbringenden Anstrengungen verantwortlich. Die Schule hat für die optimale Vermittlung des notwendigen Wissens und de r zu erwerbenden Fertigkeiten und Fähigkeiten zu sorgen. Weitere ihr zugeschriebene Funktionen überlässt sie sinnvollerweise anderen Institutionen, die qualitativ besser dafür gerüstet sind, nicht gelungene Sozialisationsprozesse aufzufangen und möglichst zu korrigieren, damit nicht die Beeinträchtigungen des Lebens und Lernens einzelner das Fortkommen vieler behindert. Der Lehrer ist mit der Beherrschung seiner Fachinhalte und dem Versuch, in seinen Fächern den neuesten Stand der Forschung wenigstens noch ansatzweise wahrzunehmen, mehr als ausgelastet. Darüber hinaus wird ihm schließlich noch abverlangt, seinen Stoff so auszuwählen und zu vermitteln, dass er von möglichst vielen Schülern optimal rezipiert werden kann. Ein Psychologe und Sozialarbeiter, ein Erziehungsberater und vielleicht sogar noch Freizeitentertainer kann er darüber hinaus nicht auch noch sein wollen oder müssen, ohne sich grenzenlos zu überfordern und seine Kompetenzen zu überschreiten. Unserer Gesellschaft kann nicht damit gedient sein, dass der Unterricht durch maßlos überzogene Ansprüche an unsere Lehrer schlechter wird, sie auf Dauer nicht mehr genügend Stoff auf höchstem Niveau vermitteln können und somit unsere Kinder in dieser Welt zukünftig nicht mehr konkurrenzfähig sind. Vernünftigerweise wird in einem gestuften System von Schule unterrichtet und vernünftigerweise werden die zu erbringenden Leistungen offengelegt, geprüft und zensiert, so gerecht und so objektiv, wie dies eben möglich ist, gegebenenfalls in zentralen Prüfungen unter Ausschluss der Beziehungsstrukturen zwischen Lehrern und Schülern. Außerdem wollen die Schüler selbst Noten und den Vergleich: als Anreiz, sich der Mühen des Lernens überhaupt zu unterziehen. Eltern wollen das Beste für ihr Kind, und das ist nun einmal der höchstmögliche Bildungsabschluss - auch sie wollen daher Noten, um frühzeitig intervenieren oder sich beruhigt zurücklehnen zu können. Lehrer wollen Noten, denn diese sind gerecht, nachvollziehbar, justitiabel und zudem entlastet von Beziehungsaspekten, da sie die Einmischung in die Privatsphäre der Schüler und ihren Charakter nicht erforderlich machen.
Geht es denn mit Noten?
Eine solche systematische Vorstellung über die Zwecke von Schule, die nach Luhmann (1996, S. 287f.) ohne Selektion und damit Diskriminierung nun einmal nicht denkbar ist, wäre in sich schlüssig, in den Folgerungen konsequent und leuchtete daher unmittelbar ein - wenn nicht drei wichtige und zugleich sehr unterschiedliche Einwände auf der Grundlage vorliegender Forschungsergebnisse die Logik dieser Argumentation empfindlich stören würden
… wenn nicht erstens Ziffernnoten nachgewiesenermaßen als Instrument der Leistungsbeurteilung die berechtigten Ansprüche an Objektivität, Reliabilität und Validität gar nicht einlösen könnten (u.a. Ingenkamp 1985; Kalthoff 1996); und wenn nicht längst nachgewiesen wäre, dass weder die Zeugnisse der Grundschule noch die Abschlusszeugnisse im Blick auf weiterführende Schulen und spätere akademische Prüfungen von hinreichender prognostischer Gültigkeit wären (Lübke 1996, S. 22-32). Längst ist der Glaube an die Objektivität von Noten obsolet geworden (Schwarzer 1983) - nicht zuletzt durch die offensichtlichen und verräterischen Vorgaben, die durch den «Markt» gegeben werden: Bei zu hoher Bildungsnachfrage werden die Zensuren nachweislich schlechter, bei knapper bessern sie sich bis hin zur beklagten Zensureninflation (Titze 1981). Dem theoretischen Wissen aller pädagogisch Ausgebildeten über die Fragwürdigkeit der Zensurengebung steht jedoch zugleich ein geradezu blindes Vertrauen in die Zensuren gegenüber: «Die Aufgeklärtheit über die Fehler der Zensurengebung ist praktisch folgenlos» (Becker 1983, S. 24). Jedenfalls kann aus der Auseinandersetzung mit der Literatur das Fazit gezogen werden; daß Schülerinnen und Schüler durch Noten nur ausschnitthaft und perspektivisch verzerrt wahrgenommen werden. «Hart formuliert heißt dies, dass die Ziffernnoten als Messinstrument dazu führen, Jugendliche in ihren Entwicklungsmöglichkeiten zu behindern» (Lübke 1996, S. 25).
… wenn nicht zweitens Untersuchungen aus der pädagogischen Psychologie die alarmierenden Wirkungen der klassischen Leistungsbeurteilung immer wieder bestätigen würden, die vor allem darin bestehen, dass frühe und dauerhafte Misserfolgserlebnisse bzw. die beständige Erfahrung, «nur mal so eben hinzureichen», die Entwicklung des Selbstwertgefühls, des Selbstvertrauens, der Lernfreude und der Erfolgszuversicht verstellen (vgl. z.B. Hurrelmann 1990, S. 135). Angst vor schlechten Noten verursacht Schulunlust sowie Prozesse der Verdrängung, Resignation und Aggression: «Gefühle werden als Tauschwert für Noten angeboten» (Steiner 1981, S. 101). Häufig werden auf diese Weise die später diagnostizierten
Versager und Verlierer erst zu solchen gemacht (Ramseger 1993, S. 6), denn die klassische Versagerkarriere folgt dem Zirkel: geringes
Selbstwertgefühl - schlechte Leistungen - noch geringeres
Selbstbewusstsein - noch schlechtere Leistungen. … wenn nicht drittens die Wirtschaft inzwischen Schlüsselqualifikationen fordern würde, die sich schwer mit überwiegend individualistischen, wettbewerbs- und konkurrenzorientierten Leistungsvorstellungen in Einklang bringen lassen: In hochkomplexen Zeiten werden Innovationen in der Regel durch Teams erbracht, müssen Gruppen kreativ und kooperativ ohne Leiter arbeiten, zeigen sich Hierarchien zunehmend als hinderlich (vgl. Tillmann 1994a). «Unsere Gesellschaft braucht, um die Anforderungen der Zukunft bewältigen zu können, wache, kreative, kooperationsfähige Menschen», so beispielsweise Reinhard Mohn (1996) in der Deutschen Lehrerzeitung. Diese Qualifikationen aber lassen sich bisher nicht in justitiable Noten kleiden.
Folgt man den dargestellten Ergebnissen der Schulforschung zur numerischen Leistungsbewertung, dann verliert das System Schule als Ort der Qualifikation und der Verteilung von Lebens- und Sozialchancen auch systemimmanent an Überzeugung und Glaubwürdigkeit. Wenn hinzukommt, dass offenbar selbst die sozioökonomische Zukunft neuer Tugenden bedarf, dann muss genauer bestimmt werden, was Lernen, was Leistung heute bedeutet, und wie beides unter den veränderten Bedingungen beurteilt werden kann. Damit ist zugleich die Frage nach zeitgemäßeren pädagogischen Aufgaben und Zwecken von Schule gestellt - jenseits aller Polemiken, wie sie unter anderem von Giesecke (1996) und selbst von Luhmann (1996) kommen. Bisher kann noch nicht schlüssig nachgewiesen werden, dass Verbalzeugnisse Konkurrenz- und Leistungsdruck mindern, sachorientiert motivieren und ermutigend wirken, wie nachgewiesen werden kann, dass Ziffernnoten dies behindern. Natürlich unterliegen auch schriftlich ausgeführte Rückmeldungen der subjektiven und gelegentlich ungerechten Bewertung und unter Umständen erzeugen sie neue Probleme, so etwa, wenn sie standardisierte Sätze mit unterschiedlichen Adjektiven oder Adverbien anreichern und damit mehr verletzen, als eine sachlich nackte Ziffer das könnte. Aber sind dies schon ausreichende Argumente gegen eine pädagogisch motivierte Form der Leistungsbewertung? Zumal - so meine harte These auf der Basis der letzten Abschnitte - der Verzicht auf Ziffernnoten selbst in einem systemimmanenten Diskussionszusammenhang als funktional begründet werden kann. Auch die NRW-Bildungskommission (1995) wendet sich gegen ein überwiegend individualistisches, wettbewerbs- bzw. konkurrenzorientiertes Leistungsverständnis, bei dem der Sinn des Lernens bereits in der vergleichenden Bewertung aufgeht. Demgegenüber möchte die Kommission die Planung des Lernens und seine Reflexion in den Mittelpunkt stellen, wozu auch gehört, dass aus Fehlern und Irrtümern gelernt werden darf, sie nicht einer vergleichenden Bewertung wegen stets vermieden werden müssen, weil dadurch gelungene Lernsituationen mitunter eher verhindert als gefördert werden. Partnerschaftlicher Umgang und gegenseitige Hilfe, individuelle Begleitung der Lehrenden, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten des Lernens sowie Rückmeldungen über Lernprozesse und Lernresultate sollen danach integraler Bestandteil der Tätigkeit der Lernenden und Lehrenden sein. «Im ‹Haus des Lernens› soll deshalb so gelernt werden, dass nicht nur vorrangig auf Prüfungen, Abschlüsse und Berechtigungen hin gearbeitet wird, sondern das Lernen als eine das Leben insgesamt tragende individuelle und sozial orientierte Befähigung eingeübt und verstanden wird» (Bildungskommission NRW 1995, S. 85). Folgt man diesen Empfehlungen, dann wird es im Rahmen von Schulentwicklung nicht nur nötig, sondern möglich sein, neue Wege der Leistungsbewertung zu entdecken und zu erproben, die nicht nur die Produkte des Lernens, sondern auch die Lernprozesse und die individuellen Kompetenzveränderungen in die Wertung einbeziehen. Um Leistungszuwächse und Kompetenzveränderungen aber erfassen zu können, müssen Schulen ein praktisch verwendbares Instrumentarium erarbeiten, zu dem die Schulung von Selbstbeobachtungen, Selbstzuschreibungen und selbststeuernden Eingriffen sowie der Erwerb von Beobachtungs- und Beurteilungskompetenzen auf Seiten der Lehrenden und der Lernenden gehören. Hier können Erfahrungen und EinLernen,sichten der Laborschule aus den vergangenen 22 Jahren für andere Schulen hilfreich sein, die sich auf neue Wege der Leistungsbewertung einlassen möchten. Den vollständigen Artikel finden Sie unter http://www.sinn-ev.de/sinn/beitrag/Thurn97b.pdf 

http://mehr-dazu.tazbremen.de/documents/application_pdf/2003-11-29/Thurn-Vortrag-Forum101103.pdf

 




Keywords: Thurn, Laborschule, Angst, Ängste

Bildungsgipfel: Bildung ist mehr als Qualifizierung - Deutscher Kulturrat bemängelt verengtes Bildungsverständnis des geplanten Bildungsgipfels
Eintrag vom: 21.10.2008

 • Berlin, 16.10.2008 • In der kommenden Woche wird in Dresden der Bildungsgipfel von Bund und Ländern stattfinden. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt heute in Berlin, dass die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder sich gemeinsam des Themas Bildung annehmen.
Bildung ist ein gesellschaftlich herausragendes Thema. Die nationalen und internationalen bildungspolitischen Debatten zeigen, dass ein ganzheitliches Verständnis von Bildung zugrunde gelegt werden muss, soll bildungspolitisch etwas bewegt werden. Bildung muss den ganzen Menschen in den Blick nehmen. Bildungspolitik darf nicht auf Zuständigkeitsfragen reduziert werden.
Der Deutsche Kulturrat unterstreicht mit Nachdruck, dass Bildung mehr ist als Qualifizierung. Bislang sieht es so aus, als würden allein Qualifizierungsfragen im Mittelpunkt des Bildungsgipfels stehen. Qualifizierung ist ein Bestandteil von Bildung. Bildung erschöpft sich aber nicht in Qualifizierung.
In diesem Zusammenhang bedauert der Deutsche Kulturrat, dass Fragen der kulturellen Bildung beim Bildungsgipfel keine Rolle spielen und wichtige bildungspolitische Akteure wie die Kommunen und die Kulturverbände nicht gehört werden.
Der Vorsitzende des Deutschen Kulturrates, Prof. Dr. Max Fuchs, sagte heute in Berlin: "Der geplante Bildungsgipfel ist bislang leider eine vertane Chance. Er scheint sich nur auf Fragen der Qualifizierung zu konzentrieren. Das ist sehr bedauerlich, denn gerade der Bildungsgipfel hätte eine Chance sein sollen, um über eine bessere Verzahnung des Bildungswesens in Deutschland zu sprechen. Zu einem besseren Bildungssystem gehört auch eine verbesserte finanzielle Ausstattung. Deutschland hinkt mit Blick auf die Bildungsausgaben gegenüber anderen OECD-Ländern erschreckend deutlich hinterher."

Pressemeldung
Deutscher Kulturrat e.V.




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100. Geburtstag kein "Dinner for One"
Eintrag vom: 19.10.2008


Das passende Ambiente schuf das Autohaus Bollmeyer mit dezenter Beleuchtung und einem Oldtimer aus Walter Bäumer’s Blütezeit. Obwohl der Mercedes-Benz 500 K (links im Hintergrund) nie den Fuhrpark des Rennfahrers bereicherte, stimmte er die Besucher doch auf die unternommene Zeitreise ein. (Foto: Jörg Militzer)

Rennfahrer-Geburtstag in kleinem Kreis
Obwohl bei der reichhaltigen Bestuhlung im Autohaus Bollmeyer am Freitag noch einige Plätze frei blieben werteten Referent Bäumer, Autohaus und Geschichtswerkstatt den Abend als einen großen Erfolg. Nicht die Quantität zählt sondern die Qualität und so setzte sich das Publikum aus sehr unterschiedlichen Teilnehmern zusammen. Viele hatten noch einen direkten persönlichen Bezug zur Familie des Rennfahrers
     Waren es zum einen die "Stammgäste" der offenen Veranstaltungen der VHS-Geschichtswerkstatt, die die Lebensgeschichte Walter Bäumer’s als einen Teil der Bünder Stadtgeschichte verfolgten, so waren zum anderen doch auch Oldtimer-Freunde und Kenner des historischen Motorsports aus nah und fern angereist. Einzelne Teilnehmer waren ebenso aus dem Sauerland, wie aus dem benachbarten Bielefeld gekommen. Ein seit langem angekündigter Besuch eines Oldtimer-Enthusiasten aus Düsseldorf musste leider im letzten Moment abgesagt werden. Doch besonders interessant gestalteten sich die Begegnungen zwischen Heinz-Walter Bäumer, als Neffe des Geburtstagskindes auch Hauptreferent des Abends, und Besuchern die als Zeitzeugen zum Teil den Onkel noch persönlich kannten. So kam es zu sehr emotionalen Momenten und bewegenden Gesprächen. "Ich kann mich noch daran erinnern, wie Du als Kleinkind durch das elterliche Geschäft gelaufen bist", hörte Heinz-Walter dann auch mehrfach.
         Gespannt verfolgten dann auch alle Teilnehmer wie in wenig mehr als einer Stunde die knapp 33-jährige Lebensgeschichte des Silberpfeil-Piloten anhand von rund 60 Einzelbildern und einem ebenso kenntnisreichen, wie humorvollen Vortrag an ihnen vorbeizog. Bäumer jun. spannte dabei den Bogen vom privaten Walter, über den erfolgreichen Rennfahrer, bis hin zum erfolgsverwöhnten Lebemann. Auch die Kontakte zu den Einrichtungen des sogenannten "3. Reiches", so war z.B. ohne eine Mitgliedschaft im NSKK (dem Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps) eine Ausübung des Rennfahrerberufes gar nicht möglich, ließ der Vortragende nicht aus.
        Heinz-Walter Bäumer drückte auch sein Bedauern darüber aus, dass die Geschichte seines Onkels in dessen Heimatstadt Bünde über lange Zeit in Vergessenheit geraten war und bedankte sich bei den Mitgliedern der Geschichtswerkstatt für deren Engagement, das letztlich zu dieser Veranstaltung geführt habe. Ebenso galt sein Dank Marc Bollmeyer vom gleichnamigen Autohaus, der mit seiner Unterstützung für diese gelungene Veranstaltung den passenden räumlichen Rahmen zur Verfügung stellte.

(Text: Jörg Militzer)
 




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Sogar die Steine sprechen zu ihm
Eintrag vom: 16.10.2008


Mathias Polster bietet Führung an
Herford (HK vom 16.10.2008). Stadtführer Mathias Polster redet gerne - aber er verfügt auch über die Gabe des Zuhörens. Sogar die Steine - gemeinhin als stumme Zeitzeugen bezeichnet - sprechen zu ihm. Was er dabei hört, können Interessierte am Samstag bei einer Führung erfahren.
Teilnehmer des Netzwerkes »Steine in der Stadt« wollen zum von den Vereinten Nationen ausgerufenen »Internationalen Jahr des Planeten Erde« mit einem »Tag der Steine« beitragen.
Mathias Polster schreibt dazu: »Der Grundgedanke ist, dass Teilnehmer des Netzwerkes, andere mit Naturwerkstein Befasste und daran Interessierte bundesweit einen solchen Tag gestalten, jeder an seinem Ort, jeder mit seinen Mitteln, jeder mit seinen Verbündeten. Ziel ist es, die Steine in den Städten öffentlichkeitswirksam zu zeigen und dadurch Interesse zu wecken oder zu pflegen.«
Fachkundig geführte Exkursionen bieten sich für diesen Tag als wichtige Veranstaltungen an; man kann die auch in relativ kleinen Städten gehaltvoll und attraktiv gestalten. Mittlerweile planen mehr als 20 Teilnehmer des Netzwerkes solch eine Exkursion in kleinen und großen Orten - von Dresden und Rostock bis Herford, von Nienburg bis Freiburg.
Bei der Führung durch Herford geht es dieses Mal nur um Steine. Sie beginnt am Samstag, 18. Oktober, um 14 Uhr am Westportal der Münsterkirche. Bei einem kleinen Rundgang wird auf die eher unscheinbaren Baumaterialen eingegangen, mit denen das Bild der Stadt seit Jahrhunderten geprägt wird. Leicht und humorvoll will Stadtführer Mathias Polster den Unterschied zwischen Sandsteinen und Kalksandsteinen erklären - und wie man das eine vom anderen unterscheiden kann.
Was ist Granit, wo findet man in der Stadt Basalt und wo kommt er her? »Manchmal findet man Fossilien, von denen einige eher wie Kaugummiflecken aussehen«, weiß der Stadtführer.
Hinter vielen Steinen steht auch eine spannende Geschichte.
Bis zum Bau der Eisenbahnlinien wurde überwiegend regionales Material verwendet. Meist waren es Sandsteine aus dem Osning oder Wesersandsteine, die mühsam nach Herford gekarrt werden mussten.
Polster: »Wenn man sich einmal richtig etwas leisten wollte, kamen auch schon mal einige Werksteine von den Externsteinen oder, wie für die Johanniskirche, aus dem Solling.« An der Münsterkirche wurden vor fast 800 Jahren schon wunderbare farbig abgesetzte Muster gesetzt.
Für die einfachen Bauten reichte das direkt vor der Haustür anstehende Rhät. Allein für die alte Stadtmauer wurden mehr als 30 000 Kubikmeter aus dem Stuckenberg gebrochen, sagt Stadtführer Mathias Polster.

(Foto: Mathias Polster)

 



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Klassik-Advent 2008 − am 1. Adventswochenende steht die Kulturstadt Hamburg wieder ganz im Mittelpunkt!
Eintrag vom: 13.10.2008

Den kulturellen Auftakt macht am Freitagabend der Besuch des Ernst Deutsch Theaters. Die "Geisterkomödie" des Erfolgsautoren Noel Coward begeisterte bereits ein Millionenpublikum - Sie erleben Volker Lechtenbrink, Jeannette Arndt, Maria Hartmann u. a. in dieser feinsinnigen Komödie.
In diesem Jahr steht Ihnen der Freitagnachmittag und der Samstagvormittag zur freien Verfügung. Bei der Ankunft in Hamburg erhalten Sie ein Alternativprogramm für die freie Zeit - ein Busshuttle bringt Sie dann bequem an die gewünschten Ziele. Am frühen Samstagnachmittag begibt sich dann Herr Jahn mit Ihnen auf einen interessanten Stadtgang. Auf der Führung "Die Hamburger Kirchen" erfahren Sie viel über die Kirchen der Innenstadt sowie deren Architektur und ihre Stellung in der Stadtentwicklung. Am späten Nachmittag stärkt Sie ein weihnachtliches 3-Gänge-Buffet im Hamburger Traditionsrestaurant "Deichgraf" und eine Einführung des Opern-Spezialisten Volker Wacker bringt Ihnen Puccinis Oper "Turandot" auf eindrucksvolle Weise wieder. Am Abend erleben Sie dann die Aufführung der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini. Die wundervolle und farbenprächtige Inszenierung von Giancarlo del Monaco ist seit vielen Jahren auf dem Spielplan - Sie werden begeistert sein! Am Sonntagvormittag präsentiert Ihnen der Klassik -Advent dann das Spitzenorchester der Stadt. In der Laesizhalle Hamburg spielt das NDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von James Conion Werke von Mozart ("Pariser" Sinfonie), Beethoven (Klavierkonzert Nr. 2) und Zemlinsky ("Die Seejungfrau"). Ganz hochkarätig der Solist des Konzertes: Jonathan Biss aus den USA ist an allen Konzertbühnen der Welt ein gefragter Pianist.
Ein 3-Gänge-Menu verwöhnt Sie nach dem Konzert mit den Spezialitäten des Restaurants "Zum alten Senator" und ein kleiner Besuch im Brahms Museum zeigt Ihnen die Lebensstationen des großen Hamburger Komponisten.
Domizil der drei Tage in Hamburg ist wiederum das Hotel Bellevue an der Außenalster - es verwöhnt Sie gern mit hanseatischer Gastlichkeit.

In Kooperation mit REISEN mit KULTUR, Kulturtouristik, Konzert- Kulturmanagement und der VHS Gütersloh

Reiseleistungen:
• Fahrt im modernen Reisebus und alle Transfers während der dreitägigen Reise
• 2 Übernachtungen mit großem hanseatischem Frühstücksbuffet im Hotel Bellevue an der Außenalster
• 3-Gänge-Mittagsbuffet im Hotel Bellevue
• 1 Karte für das Ernst Deutsch Theater
• Führung mit Daniel Jahn am Samstag
• Einführung zur Oper
• 3-Gänge-Abendbuffet im "Deichgraf"
• 1 Karte für die Staatsoper
• 1 Karte für das Konzert des NDR-Sinfonieorchesters
• 3-Gänge-Menu im "Zum alten Senator" - Besuch des Brahms Museums
• Reiserücktritts- und Insolvenzversicherung

Foto: Hamburger Staatsoper

www.ernst-deutsch-theater.de/edt07/premieren/Stuecke_2008_2009_SZ/003Geisterkomoedie.php




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Keywords: Klassik; Advent; Hamburg

VHS-Geschichtswerkstatt: Straße ohne Anlieger
Eintrag vom: 09.10.2008


Die Levisonstraße zählt mit 1,5 km zwar zu den längeren Straßen Bündes, da es jedoch keine Anlieger gibt, die Gebäude im Hintergrund liegen an der Blankensteinstraße, sorgte die Benennung nach der jüdischen Familie bei vielen Bündern für Unverständnis. (Foto: Jörg Militzer)

Levisonstraße erinnert an Bünder Familie jüdischen Glaubens
„Wenn Straßen nach Personen benannt werden …“ beginnt Brigitte Garbrecht von der VHS-Geschichtswerkstatt ihre Ausführungen, „ … haben sich diese meist durch besondere Leistungen oder außergewöhnlichen Einsatz für die Allgemeinheit hervorgetan.“ Wie schnell dieser „Ruhm“ jedoch verblassen kann, weiß sie am Beispiel des Zigarrenfabrikanten Carl Levison und seiner Familie zu berichten. Zwar ist vielen Bündern bekannt, dass es sich bei den Namensgebern der Levisonstraße um die ehemaligen jüdischen Bewohner des schmucken Hauses Hindenburgstraße 1, gegenüber dem Marktplatz, handelt. Wie sehr sich Levison’s jedoch um das Gemeinwohl der Stadt verdient gemacht haben, tritt meist in den Hintergrund.
Das Carl Levison im Jahre 1891 Schützenkönig war ist wohl weniger Verdienst um, denn als Integration in die Allgemeinheit zu sehen. Jude zu sein war zu dieser Zeit in Bünde wohl kein Grund nicht in die bürgerliche Gesellschaft aufgenommen zu werden, ist sich Garbrecht sicher. Und so setzte Levison, wie schon eine Reihe seiner Vorfahren, auch immer wieder größere Summen des in der Zigarrenfertigung erworbenen Vermögens, er war Miteigentümer der 1898 gegründeten Firma Carl Warmann & Co., für das Allgemeinwohl ein. Ob es nun um die Unterstützung des Lazaretts im ersten Weltkrieg ging oder das Bünder Krankenhaus ein Röntgengerät brauchte, Levison sprang ein. Er wirkte im Ehrenamt als Schöffe bei Gericht und war Vorstandsmitglied der städtischen Sparkasse. Doch die Zeiten änderten sich und 1933, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, endete bekanntermaßen dieses Miteinander. Es folgten Ausgrenzung und ein Leidensweg der für viele jüdische Mitbürger mit dem Tod endete. So auch für Carl Levison und seine Familie. Während Carl und seine Frau Auguste an den Folgen der Lagerhaft 1944 in Theresienstadt starben, wurde Sohn Alfred, der Diabetiker war, mit medizinischen Versuchen zu Tode gequält. Er starb Anfang 1945. Im Jahre 1975 stellte der SPD Ortsverein Bünde-Mitte vergeblich den Antrag, Straßen mit nichtrepublikanischen Namen wie Lettow-Vorbeck- oder Sedanstraße zu Ehren ermordeter Bünder Juden umzubenennen. Nicht zuletzt aufgrund durchgeführter Anwohnerbefragungen wurde dieses Anliegen jedoch zurückgewiesen. So sollte es noch bis zum 17. Dezember 1980 dauern, bis für die neu angelegte Umgehungsstraße der Name Levisonstraße festgelegt wurde.
Nachdem man sich anfänglich also recht schwer damit tat, Straßen nach ermordeten Juden zu benennen, gab es in den achtziger und neunziger Jahren dann doch noch eine Reihe weiterer Straßennamen die jüdischen Mitbürgern gewidmet wurden. So lassen sich etwa in Spradow die Theodora-Löwenstein-Straße, in Südlengern die Arthur-Bloch-Straße und in Hunnebrock die Franziska-Spiegel-Straße finden. Insgesamt rund ein dutzend Verkehrswege sind so den jüdischen Opfern der NS-Zeit gewidmet worden.
Doch schließlich wurde in der Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses vom 11. Dezember 1997 bei 13 Ja-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen, die Liste der Namen der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bünde bei der Benennung neuer Straßenzüge zukünftig nicht mehr einzusetzen. Nur in Einzelfällen, nach eingehender Diskussion im Ausschuss, sollen Ausnahmen gemacht werden. Dann jedoch ohne das zusätzlich erläuternde Hinweisschild. Fortan sollten per Beschluss die Straßennamen flur- bzw. ortsteilbezogen festgesetzt werden. (Jörg Militzer)
 




Keywords: Geschichtswerkstatt, Levisionstraße

VHS-Geschichtswerkstatt: Straßennamen zum Geburtstag
Eintrag vom: 08.10.2008


Stephan Hollmann am Frühlingsweg. Die Frage nach heutigen Umbenennungen von historisch „belasteten“ Straßennamen verweist er an die Politik. Aufgabe des Historikers sei es schließlich „nur“ Quellen auszuwerten und Fakten zusammenzutragen. (Foto: Jörg Militzer)

„Wer im Frühling einmal über den gleichnamigen Weg entlang der Else spazieren ging, die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Jahres genoss und dem Zwitschern der Vögel lauschte wird dabei gewiss nicht auf die Idee gekommen sein, dass es sich bei der Benennung um ein Relikt nationalsozialistischer Herrschaft handelt.“ beginnt Stephan Hollmann von der VHS-Geschichtswerkstatt die Erläuterung seiner Rechercheergebnisse. Obwohl Hollmann selbst aus Hiddenhausen stammt und auch dort wohnt, weiß er neben der Mitarbeit in der Bünder Geschichtswerkstatt auch den Reiz eines Spazierganges an den Ufern der Else zu schätzen.
Natürlich gingen alle Hobby-Historiker in den Reihen der VHS-Geschichtswerkstatt zunächst davon aus, dass mit der Benennung eine der vier Jahreszeiten gemeint war. Warum es dann zwar eine dem Frühling gewidmete Straße gab und keine nach Sommer, Herbst und Winter benannten Wege wurde zunächst auch nicht wirklich hinterfragt, so klar schien die Benennung an dieser Stelle doch zu sein. Erst das eingehende Studium alter Protokolle und Akten brachte es dann an den Tag. Der Weg entlang der Else, ehemals im Schatten der Reinigung und Färberei Böker gelegen, wurde am 20.04.1936, dem Geburtstag Hitlers, mit einer neuen, der NS-Ideologie konformen Benennung versehen.
Gasstraße hieß früher dieser Abschnitt von der Bolldammbrücke bis etwa zur Einleitung des Sunderbaches, genau so wie der dann abknickende Teil in Richtung Eisenbahntrasse, der heute noch bzw. wieder so benannt ist. Wieder, denn auch der Verlauf der heutigen Gasstraße erhielt zur gleichen Zeit einen anderen Namen. Doch während diese Umbenennung in Wilhelm-Gustloff-Straße, nach dem zwei Monate zuvor ermordeten und zu einer Art Märtyrer der „Bewegung“ hochstilisierten Landesgruppenleiter der NSDAP in der Schweiz, ziemlich eindeutig dem Regime zuzuordnen war, ist die Umbenennung des Weges entlang der Else, zwischen Bahnhofstraße und Bismarckbrücke, in Frühlingsweg doch erst auf den zweiten Blick als politisch motiviert zu erkennen.
Joseph Göbbels, Propagandaminister und nationalsozialistischer Vordenker, schrieb am 27. März 1933 in sein Tagebuch: „ein herrlicher Frühling liegt über Deutschland“ und griff damit einen poetischen Vergleich auf, den er schon Jahre zuvor in einem von ihm verfassten Theaterstück im Hinblick auf eine Erneuerung der Verhältnisse in Deutschland anstellte. Ja, selbst die Comedian Harmonists, bekannt für eine Reihe der größten Schlager der früher 1930er Jahre nahmen am 29. September 1933 ein Lied mit dem Titel „Ein neuer Frühling, wird in die Heimat kommen…“ auf. Ob sie den Titel so überzeugt gesungen hätten, wenn sie geahnt hätten was der „neue Frühling“ für die drei jüdischen Mitglieder des Ensembles bedeutete?
So teilte denn auch der Bürgermeister als Vertreter der Ortspolizeibehörde der Presse zur Straßenumbenennung zum 20. April 1936 mit: „… dass uns unser Führer Adolf Hitler … den neuen deutschen Frühling brachte.“ Doch auf diesen Frühling folgten Herbst und Winter und schließlich lag Deutschland in Schutt und Asche. Und so ließ die Rückbenennung der ideologisch gefärbten Straßennamen in Bünde nicht lange auf sich warten. Auf die Anordnung des Regierungspräsidenten vom 19. Mai 1945 folgte die Antwort aus der Elsestadt, bereits alle Umbenennungen vorgenommen zu haben. Ob auch über eine Rückbenennung des Frühlingsweges nachgedacht wurde, ist leider nicht überliefert. (Jörg Militzer)
 




Keywords: Frühlingsweg, Geschichtswerkstatt, Straßennamen

»Vorbilder der Weiterbildung« zum Deutschen Weiterbildungstag geehrt
Eintrag vom: 25.09.2008

»Ehrenpreise des Deutschen Weiterbildungstages 2008« in fünf Kategorien verliehen/ Feierliche Ehrung mit 200 Gästen und prominenten Laudatoren
Berlin. Zum Auftakt des »Deutschen Weiterbildungstages« wurden heute in Berlin die »Vorbilder der Weiterbildung 2008« geehrt.
Eine elfköpfige Jury aus verschiedenen Unternehmen, Verbänden und Einrichtungen der Weiterbildungsbranche hatte zuvor nach intensiver Diskussion entschieden und in fünf Kategorien die Preisträger gekürt.

Als »Vorbilder der Weiterbildung« wurden Menschen oder Projekte ausgezeichnet, die im positiven Sinne für Weiterbildung und Lebenslanges Lernen stehen. Dabei reicht das Spektrum der Geehrten von Herlind Kasner, einer 80-jährigen »Dozentin aus Leidenschaft« aus dem brandenburgischen Templin, die seit 34 Jahren ohne Unterbrechung Fremdsprachen unterrichtet, über das Münchner Projekt »Berufsvorbereitende Maßnahme Sport«, bei dem schwierige junge Männer über Sport eine »Zweite Chance« zum Berufseinstieg erhalten bis hin zur Alstom LHB GmbH aus Salzgitter, die als »Vorbildliches Unternehmen« ausgezeichnet wurde, weil sie nicht über Fachkräftemangel klagt, sondern etwas dagegen tut.

Die Preisträgerinnen und Preisträger nahmen die undotierten Ehrenpreise im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung mit rund 200 Gästen aus Politik, Gesellschaft und Weiterbildungsunternehmen entgegen. Laudatoren waren unter anderem Schauspieler Peter Lohmeyer und Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes.

Der »Deutsche Weiterbildungstag« wird am 26. September 2008 als bundeswei-ter Aktionstag mit rund 500 Veranstaltungen in ganz Deutschland begangen. Er soll angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels und mangelnder Weiterbil-dungsbeteiligung in Deutschland auf die Bedeutung von Weiterbildung hinweisen. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden politischen Ereignisse – unter anderem der Bund-Länder-»Bildungsgipfel« Ende Oktober – kommt dem Weiterbildungstag 2008 eine besondere Bedeutung zu.


Die »Vorbilder der Weiterbildung« 2008


Alstom LHB GmbH in der Kategorie »Vorbildliches Unternehmen«
Die Alstom LHB GmbH, Teil des weltweiten Alstom-Konzerns mit ca. 65.000 Beschäftigten in über 70 Ländern, hat sich auf ein besonderes Experiment eingelassen: In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Wolfenbüttel, der Technikerschule Braunschweig und der Weiterbildungseinrichtung ARBEIT UND LEBEN Braunschweig initiierte das Unternehmen ein Modellvorhaben, um Facharbeitern ohne Abitur ein Studium zu ermöglichen. Dabei werden junge Fachkräfte in Vorbereitungskursen auf die externe Prüfung an der FH vorbereitet: ein halber Tag Werkbank, ein halber Tag Vorbereitungskurs. Alstom, Marktführer im Energie- und Transportbereich, vergibt Verträge mit Wiedereinstellungsgarantie und bei Bedarf Stipendien. Die Begeisterung aller Beteiligten ist hoch: für Mitarbeiter ist es »ein Sechser im Lotto«. Alstom-Personalleiterin Marion Engelhardt resümiert: »Damit haben wir es geschafft, eine Höherqualifikation für alle interessierten Mitarbeiter zu erreichen, denn nicht nur bei uns gibt es heute kein besseres Sparbuch als die eigene Qualifikation.« Und in Niedersachsen ist das Wort »Alstom Modell« bei Arbeitgebern, Gewerkschaften, Ministerien und Agentur für Arbeit inzwischen zum geflügelten Wort geworden: für innovative Weiterbildung.

Martha Ludwig in der Kategorie »Integration durch Bildung«
Martha Ludwig (51) kam Mitte der 80er Jahre aus Ghana nach Deutschland. Sie konnte nicht lesen, nicht schreiben, sie konnte keinen Brocken Deutsch. Lange Jahre war die Analphabetin aus dem gesellschaftlichen und sozialen Leben in Deutschland ausgeschlossen – schloss sich selbst aus, gehörte nicht dazu. Nach dem Besuch eines Alphabetisierungskurses an der Wipa Berlin änderte sich das schlagartig: Allein die Tatsache, dass sie nun Straßenschilder lesen könne, habe ihr ein unglaubliches Selbstbewusstsein vermittelt, so die 51-Jährige. Aus Freude darüber, endlich lesen und schreiben zu können und damit das Leben um sich herum zu verstehen, begann sie, ihre Erfahrung weiterzugeben und afrikanische Tanz- und Kulturkurse für Kinder anderer Kulturen – hauptsächlich aus Afrika – bei sich zuhause anzubieten. Während dieser fröhlichen Kurse bekommen die Kinder so ganz nebenbei die deutsche Sprache und vor allem die deutsche Kultur nähergebracht. Martha Ludwigs Motto: Jeder kann es schaffen.

Sylva Rother in der Kategorie »Aufstieg durch Weiterbildung«
Von der Gärtnerin zur Entwicklungsingenieurin im Fahrzeugbau – Sylva Rother ist ein wahrlich nicht alltägliches Beispiel für eine Karriere durch Weiterbildung. Das Besondere an der 38-Jährigen: Sie machte nach einer Gärtnerei-Ausbildung zunächst eine weitere Ausbildung zur Technischen Zeichnerin. Doch das reichte der ehrgeizigen jungen Frau nicht und sie entschied sich für ein berufsbegleitendes Fernstudium zur »Diplom-Ingenieurin (FH)« im Studiengang Mechatronik an der Wilhelm Büchner Hochschule in Pfungstadt bei Darmstadt. Das Studium absolvierte sie mit Einser-Diplom und arbeitet heute als Entwicklungsingenieurin bei ZF Friedrichshafen, einem deutschen Automobilzulieferer, der zu den weltweit führenden auf dem Ge-biet der Antriebs- und Fahrwerkstechnik zählt. Hier hat sich die Ingenieurin inzwischen fest in einer Männerdomäne etabliert und bringt dabei – wie schon zu Fernstudienzeiten – auch noch Familie und Beruf unter einen Hut.

Projekt »Berufsvorbereitende Maßnahme Sport« (»BVB Sport«) in der Kategorie »Zweite Chance«
Schulschwänzer, Dealer, Möchtegern-Machos – die Klientel von Christian Michl (45) klingt nicht wirklich geeignet für ein Ausbildungsprojekt. Ist sie auch nicht, und deshalb ist dieses Projekt so einzigartig: »Berufsvorbereitende Maßnahme Sport« heißt es sperrig oder griffiger: »BVB Sport«. Das Projekt wird von der Bundesagentur für Arbeit finanziert und der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in München betreut. Erklärtes Ziel der rund 40 bis 50 jungen Männer in »BvB Sport«: einen Ausbildungsplatz bekommen, die Lehre machen und zu Ende bringen. Der Sport – Fußball oder Basketball – ist dabei meist das letzte Mittel, um an die Jungs heranzukommen, denn bei Wettkampf und Bewegung fühlen sie sich sicher, können zeigen, was sie draufhaben und werden selbstbewusster – nicht selten als Ersatz für schlechte Schulnoten. »Man kann eine Persönlichkeit, die etwas brüchig geworden ist, wieder zusammenkleben«, ist die Erfahrung der Projektverantwortlichen – und der Erfolg gibt ihnen recht: Von den Teilnehmern beginnen mehr als 70 Prozent nach der »BVB Sport«-Zeit eine Ausbildung, die meisten bringen sie zu Ende. Die Methode scheint nahezuliegen und doch ist »BvB Sport« in Deutschland das erste und bislang einzige Projekt dieser Art. Ein geglücktes Experiment, ein nur halb erwarteter Erfolg. Irgendwie auch ein kleines Sommermärchen.


Herlind Kasner in der Kategorie »Dozentin aus Leidenschaft – Leben für die Weiterbildung«
Es gibt zwei Zahlen, die beschreiben Herlind Kasners »Leben für die Weiter-bildung« ziemlich gut: 80 und 34. 80 Jahre alt ist Herlind Kasner in diesem Sommer geworden und 34 Jahre – ohne Unterbrechung! – unterrichtet sie jetzt Fremdsprachen. Bis heute leitet sie an drei Abenden pro Woche vier Englischkurse an der Volkshochschule Templin, alle Kurse gut besucht. Damit ist Herlind Kasner die mit Abstand langjährigste Dozentin der Kreisvolkshochschule Uckermark und sicher bundesweit einer der wenigen, wenn nicht die einzige Sprachendozentin, die in ihrem Alter noch so ein großes Volumen an Sprachunterricht bewältigt. Außergewöhnliche Energie gepaart mit geistiger Beweglichkeit zeichnen die leidenschaftliche Dozentin in ihrem Leben für und mit der Weiterbildung aus. Als sie vor über 50 Jahren von Hamburg nach Ostdeutschland übersiedelte, bedingt durch den Beruf ihres Ehe-mannes, bedeutete dies für sie nicht mehr aber auch nicht weniger als dass sie ihren erlernten und geliebten Beruf als Studienrätin in Englisch und La-tein im staatlichen Schuldienst der damaligen DDR nicht ausüben konnte. Für die Weiterbildung aber war das ein großer Gewinn. Denn somit konnte sie sich ganz auf die Aus- und Fortbildung Erwachsener konzentrieren und wurde nach der Wende schließlich mit Leib und Seele Volkshochschul-Dozentin. »Ich wundere mich immer, wenn mich Menschen fragen, ob ich das denn noch machen müsse«, sagt die 80-Jährige hellwach: »Natürlich muss ich nicht, aber das hier wird gebraucht. Und es macht mir wirklich großen Spaß!«

 




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Schulen und Volkshochschulen schließen Bildungspartnerschaft - Pilotphase erfolgreich abgeschlossen
Eintrag vom: 25.09.2008


Düsseldorf, 25.09.2008 -

Schulen und Volkshochschulen in Nordrhein-Westfalen arbeiten bei der Förderung von Schülerinnen und Schülern künftig eng zusammen. Das ermöglicht eine Bildungspartnerschaft des Ministeriums für Schule und Weiterbildung und der kommunalen Spitzenverbände.

Barbara Sommer, Ministerin für Schule und Weiterbildung, Klaus Hebborn, Beigeordneter beim Städtetag Nordrhein-Westfalen und Reiner Hammelrath, Vorsitzender des Volkshochschulverbandes Nordrhein-Westfalen, stellen die gemeinsame Initiative zum 2. Weiterbildungstag am 26. September 2008 vor.

Die Bildungspartnerschaft bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, neben dem regulären Unterricht zusätzliche Kurse an Volkshochschulen zu belegen, beispielsweise um ihre Computerkenntnisse zu erweitern, ihr Wissen über Wirtschaftsthemen zu vertiefen oder ihre Sozialkompetenzen zu verbessern. Außerdem können die Jugendlichen international anerkannte Sprachprüfungen ablegen.

"Schulen und Volkshochschulen sind starke Partner. Für Schülerinnen und Schüler sind die zusätzlichen Angebote der Volkshochschulen ein Gewinn. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Schulen und Volkshochschulen eine Bildungspartnerschaft eingehen", erklärt Ministerin Barbara Sommer.

Beigeordneter Klaus Hebborn vom Städtetag: "Jede Schule in Nordrhein-Westfalen findet vor Ort oder in erreichbarer Nähe eine Volkshochschule als Kooperationspartner vor. Unsere 135 Volkshochschulen sind für die Schulen ein attraktiver Partner. Sie machen Schülerinnen und Schülern zusätzliche Bildungsangebote, insbesondere im Bereich Sprachen."

Die Bildungspartnerschaft zwischen Volkshochschulen und Schulen ist bisher an sechs Pilotschulen erfolgreich erprobt worden. Reiner Hammelrath Landesverband der Volkshochschulen: "Volkshochschulen machen ihrem Namen alle Ehre, wenn sie als Bildungsdienstleister Schülerinnen und Schülern aus allen Bevölkerungsschichten zu Zertifikaten verhelfen, die den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern."

Die Medienberatung NRW hat die Bildungspartnerschaft initiiert. Sie berät Volkshochschulen und Schulen bei der Planung und Durchführung von konkreten Projekten.

In der Lehrerfortbildung, beispielsweise für Englisch ab Klasse 1 oder bei der Qualifizierung der Ganztagskräfte, arbeiten Volkshochschulen und Schulen bereits eng zusammen.

Weitere Informationen unter: www.vhs.schulministerium.nrw.de
 




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